Lineares und exemplarisches Denken

Lineares und exemplarisches Denken

Diese Denkarten beschreiben zwei grundsätzlich verschiedene Wege, sich einen Sachverhalt zu erschliessen — und sie schliessen einander nicht aus, sondern haben je ihre Stärke.

Lineares Denken

Folgt einer vorgegebenen Reihenfolge: A → B → C
Wir lesen das Lehrbuch von vorne nach hinten lesen, erstellen eine Gliederung vor dem Inhalt eines Texts, arbeiten die Ikea Montageanleitungen von vorne nach hinten durch. Auch die Ordnerstruktur in unseren Computern unterstützt eher das lineare Denken.


Lineares Denken ist häufig hierarchisch, sequenziell und nicht verknüpft. download
  • Stärke: nachvollziehbar, prüfbar, gut zur Darstellung, Organisation und Vermittlung sowie für klar umrissene Probleme.
  • Schwäche: blendet Querbezüge aus; durch die Struktur steht das Ergebnis schon halb fest. Es besteht wenig Raum für Neues, Überraschendes oder eben Verbindung. Diese findet sich bestensfalls als tote Fusszeile.

"Zettelkasten-Denken"


Setzt am konkreten Einzelfall, einer Idee oder Phänomen an und verknüpft es mit anderen Einzelfällen, Ideen oder Phänomenen. Der Einstiegspunkt in dieses Netzwerk kann über jeden Punkt (Zettel) erfolgen und beginnt nicht bei "A".


Zettelkasten-Denken kennt keine Hirarchie und ein Zettel (Thema, Idee, Text) kann zudem unterschiedlich oft verknüpft werden. download

Stärken

  • Erkenntnis an den Verbindungsstellen: Neues entsteht aus unerwarteten Querbezügen — Einsichten, die ein lineares Vorgehen gar nicht erst sichtbar macht.
  • Tiefe und Kontext: exemplarisch verankert (Tiefe am Fall) und zugleich systemisch eingebettet (Beziehungen statt isolierter Ideen).
  • Kumulativ: das Netz wächst über die Zeit und trägt; Wissen verbindet sich, statt zu verfallen.
  • Anschlussfähig: eine atomar gehaltene Idee lässt sich in vielen Kontexten wiederverwenden und neu verknüpfen.
  • Stark bei komplexen, unsicheren Problemen — dort, wo lineares Denken nicht greift.

Schwächen

  • Konvergiert nicht von selbst: das Netz hat keinen natürlichen Abschluss; irgendwann braucht es den linearen Schnitt (Output), sonst bleibt es offen.
  • Pflegeaufwand & Disziplin: ohne konsequente Atomarität und Verlinkung entsteht Sammelsurium statt Netz (Collector's Fallacy).
  • Subjektiv: Auswahl des Exemplarischen und der Links ist wertend — man verknüpft leicht nur, was man ohnehin schon denkt.

Verbindung zum Zettelkasten

Ein Zettelkasten ist exemplarisch-vernetzt organisiert, nicht linear wie ein Ordnersystem. Das ist ein Grund warum uns das Zettelkasten-Denken schwerfällt . Besonders ohne konkretes Beispiel.

Jeder einzelne Zettel ( was ist ein Zettel? ) ist ein Wissenspunkt der in das Wissennetz eingebettet wird; Verständnis und neue Gedankenlinien entstehen bottom-up aus den Verbindungen, nicht aus einer vorab gesetzten Gliederung.


Linear oder geordnet wird es erst am Schluss: Beim Schreiben eines Textes fügt man beispielsweise einzelne Zettel zu einem Text zusammen.

Das fühlt sich zu Beginn eher ineffizient an, gewinnt aber mit jedem Zettel an Effizienz!


Exemplarisch-Vernetz-System-Denken mit einem Zettelkasen (hier Obsidian) download

Bezug / Quellen

  • Wagenschein, M. (1968). Verstehen lehren. (Das exemplarische Prinzip)
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